How to: Künstler:innenförderung beantragen
Initiative Musik: Antragsfrist rückt näher – so erhöhst du deine Chancen
Dies ist ein Gastbeitrag der Kultur-Unternehmerin Julia Gröschel. Sie hat bereits 236.018,30 € Fördermittel für 18 Artists begleitet und teilt hier praktische Tipps für deinen Antrag bei der Initiative Musik.
Initiative Musik Antrag: So startest du ohne Antrags-Frust
Falls du dich schon mal auf die Seite der Initiative Musik verirrt hast und dachtest:
„Wow – Künstler:innenförderung, das wäre was für mich!“
… und direkt danach:
„Hilfe, das ist ja so unverständlich wie eine Steuererklärung!“ oder „Und was genau muss ich jetzt eigentlich tun?“ Dann ist dieser Beitrag für dich gemacht – als kleiner Schubs, es einfach zu versuchen. Die nächste Antragsfrist steht vor der Tür (10.–30. April) und ich gebe dir konkrete Hinweise, wie du deine Chancen im Antrag deutlich erhöhen kannst.
But first: Die Initiative Musik ist eine bundesweite Förderinstitution, die Popmusik und Jazz in Deutschland unterstützt – mit dem Ziel, Künstler:innen, Musikunternehmen und Live-/Projektvorhaben zu stärken. Sie vergibt Fördermittel unter anderem für Produktionen, Vermarktung, Tourneen und Strukturaufbau und richtet sich dabei besonders an Projekte mit Entwicklungspotenzial. Finanziert wird sie maßgeblich aus öffentlichen Mitteln (u. a. Bund) und arbeitet mit klaren Ausschreibungen und Fristen.
Let’s start basic: Drei Wahrheiten über die Initiative Musik
1) Die Förderung richtet sich vorrangig an Up-&-Coming-Artists
Du musst kein etablierter Act sein. Im Gegenteil: Die Künstler:innenförderung richtet sich gezielt an Musiker:innen im Aufbau, die den nächsten Schritt gehen wollen – und für die dieser Schritt ohne Förderung schwer möglich wäre.
2) Du kannst Produktion, Marketing oder Live fördern lassen – und Eigenleistungen ansetzen
Du kannst z. B. Musikproduktion, Marketing oder Live-Vorhaben fördern lassen. Außerdem zählen Proben und Werkkreation als sogenannte Eigenleistung. Diese kannst du dir mit bis zu 15 % der Gesamtausgaben als Eigenleistung anrechnen bzw. auszahlen.
3) Du benötigst mindestens 4.000 € Eigenkapital
Die Künstler:innenförderung der Initiative Musik übernimmt maximal 60 % deiner Gesamtausgaben. Das bedeutet: Du bringst mindestens 40 % Eigenanteil selbst ein – bei einem Mindestantragsvolumen von 10.000 €.
Kurz: Wenn du 10.000 € beantragst, brauchst du mindestens 4.000 € Eigenanteil.
Jetzt wird’s spannend: Fünf Tipps für deinen Förderantrag
1) Hab keine Angst vor dem Antrag
Lass dich nicht von Bürokratie einschüchtern. Sprich mit Artists, die schon einen Antrag gestellt haben – das hilft enorm, weil du schneller verstehst, worauf es in der Praxis ankommt.
2) Denk strategisch – nicht nur kreativ
Klar: Dein Album, deine Tour oder dein Projekt wird groß. Aber: Was hebt dich wirklich ab? Und wobei hilft dir die Förderung konkret? Beantworte für dich (und später für die Jury) ganz konkret:
- Was genau ist dein Projekt – und warum jetzt?
- Welche Ziele verfolgst du damit?
- Wie setzt du es im Detail um?
- Woran misst du Erfolg (realistisch, nicht “wir werden viral”)?
Wer sich über diese scheinbar einfachen Fragen wirklich Gedanken macht, hat schon die halbe Miete – trust me.
3) Du kannst den Antrag auch ohne Partnerunternehmen stellen
Früher ging das nur mit Label, Verlag, Booking oder Management. Jetzt kannst du auch solo beantragen – solange du einen Professionalitätsnachweis erbringst, und zwar über mindestens drei der folgenden Punkte:
- Anmeldung als freiberuflicher Musiker:in (Finanzamt)
- Mitgliedschaft bei GEMA, GVL oder KSK
- Vertrag mit Label, Verlag, Management oder Booking-Agentur
- Abschluss in einem künstlerisch-musikalischen Studienfach
Ob du alleine oder mit Partnerunternehmen einreichst, hat keinen direkten Einfluss auf die Jury-Entscheidung. Entscheidend ist der Inhalt deines Antrags.
4) Schreib für Menschen – nicht für ein Formular
Die Jury sind auch nur Menschen. Denk beim Schreiben immer daran: Du richtest dich an Personen, die deinen Antrag verstehen und bewerten müssen. Sei individuell und verzichte auf standardisierte Marketing-Phrasen und ChatGPT-Floskeln. Klarheit, Haltung und ein nachvollziehbarer Plan schlagen Buzzwords.
5) Ein letzter Denkanstoß
Am Ende wollen alle dasselbe: Geld, um das Projekt möglich zu machen.
Was den Unterschied macht, ist ein Antrag, der zeigt: Du weißt, was du tust – und warum die Förderung bei dir Wirkung entfaltet.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Antrag und wenn du dir Unterstützung wünschst, schreib mir gern. Ich helfe dir dabei, deinen Antrag überzeugend und jury-tauglich aufzubauen.
Kontakt:
Julia Gröschel – julia@sechsfuenf.com
Instagram: https://www.instagram.com/julia.backslash/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/juliagroeschel/

Steckbrief Julia Gröschel:
Julia Gröschel ist Kulturunternehmerin, Host des Podcasts „Hip Hop Lebt“ (u. a. #1 in den Spotify Top-Musik-Podcast-Charts im Mai 2025) und Gründerin der Agentur sechsfuenf. In ihrem Podcast spricht sie mit ihren Gäst:innen über die Musikbranche – auf, vor und neben der Bühne – und schafft dadurch wertvolle Einblicke in die Szene. Zuvor arbeitete sie u. a. für VICE und arrangierte – unter anderem im Auftrag von VICE und Landstreicher – Konzerte und Veranstaltungen. Seit 2019 bündelt sie in sechsfuenf ihre Erfahrung aus Musik und Medien: Sie unterstützt Künstler:innen im Management, gibt Coaching-Sessions, berät in Förderfragen und arbeitet an Projekten mit Marken wie MINI, BEAM SUNTORY, Spreadshop und dem Admiralspalast Berlin – immer mit individueller Betreuung, engem Austausch und viel Liebe zum Detail.
Wir danken Julia Gröschel für den Gastbeitrag.
Lena Germann
Shannon Kone
Alexander Suhorucov