Dein Release ist draußen – und jetzt?
Was du als DIY-Artists nach dem Release wirklich tun solltest (statt in Panik zu verfallen)
Dein Song ist draußen. Die ersten Streamingzahlen trudeln ein. Vielleicht auch die ersten Kommentare. Und dann kommt diese eine Frage, die fast alle DIY-Artists kennen: „Und jetzt?“.
Nach Wochen oder Monaten voller Planung, Uploads, Cover-Art, Pitching und Anspannung fällt die Spannung ab. Der Release-Day ist vorbei – und plötzlich entsteht Leere. Oder Aktionismus. Oder Frust. Der Release-Day ist nicht das Finale.
Er ist der Start einer neuen Phase.
Wenn du weißt, in welcher Phase dein Song gerade steckt, weißt du auch, was jetzt sinnvoll ist – und was du dir guten Gewissens sparen kannst. Dieser Artikel zeigt dir, was nach dem Release wirklich wichtig ist – und was du dir guten Gewissens sparen kannst.
Der größte Fehler nach dem Release: sofort alles zu wollen
Viele Artists machen nach dem Release mindestens einen dieser Fehler:
- Sie checken im Stundentakt die Streaming Zahlen
- sie vergleichen sich mit anderen Artists
- sie schmeißen ungeplant Ads, Content und Ideen raus
- oder sie tauchen komplett ab, weil „eh nichts passiert“
Das Problem: Der Release wird als Endpunkt gesehen – nicht als Beginn eines Prozesses.
Dein Release ist kein Moment – sondern ein Prozess
Gerade für DIY-Artists ist ein Release kein einmaliges Event, sondern der Beginn von mehreren Wochen (oder sogar Monaten), in denen ein Song wachsen darf. Bei vielen erfolgreichen Acts dauerte es mehrere Releases, bis sich eine klare Dynamik entwickelte. Sichtbarkeit entsteht oft nicht durch einen einzelnen Song, sondern durch Kontinuität, Wiederholung und Entwicklung.
Statt „Was mache ich jetzt?“ hilft dir diese Frage vielleicht mehr: In welcher Phase befindet sich mein Release gerade – und was passt jetzt dazu?
Phase 1: Einordnen statt bewerten
In den ersten Tagen nach dem Release geht es nicht um endgültige Urteile. Ziel sollte es sein, Ruhe reinzubringen und erste Muster zu erkennen.
Was du jetzt aber tun kannst ist:
- Erste Streamingdaten sammeln, nicht interpretieren
- Feedback wahrnehmen, ohne es zu überbewerten
- Beobachten: Wer hört? Wo kommt Resonanz her?
Was du knicken kannst:
- Den Song nach wenigen Tagen als „Flop“ oder „Erfolg“ abstempeln.
- Dich mit Artists auf einem komplett anderen Karrierelevel vergleichen.
Streams an sich sagen weniger aus. Spannender sind z. B.:
- Save-Rate
- Wiederkehrende Hörer:innen
- Reaktionen auf Social Media
Streams allein sagen wenig. Reaktionen sagen mehr.
Was du dir in den ersten 14 Tagen wirklich sparen kannst
- Stündliches Dashboard-Checken
- Vergleiche mit Acts auf einem anderen Level
- „Panik-Ads“ ohne klares Ziel oder Tracking
- Den Release innerlich nach 7 Tagen abschreiben
Phase 2: Zahlen verstehen – nicht jagen
Streamingzahlen sind ein Werkzeug, kein Urteil oder Maß über deine Musik oder dich als Artist. Stell dir stattdessen lieber Fragen wie:
- Gibt es mehr Hörer:innen als beim letzten Release?
- Bleiben Menschen beim Song oder springen sie ab?
- Welche Plattformen reagieren am stärksten?
Ein Song darf leise starten. Viele Releases entfalten ihre Wirkung erst später – durch Content, Playlists oder Wiederholung. Viele erfolgreiche Artists haben Jahre gebraucht, bis ihre Musik wirklich sichtbar wurde. Auch AnnenMayKantereit brauchten Jahre, bis ihre Musik ein breites Publikum erreicht hat. Der Erfolg kam nicht nach dem ersten Release – sondern nach vielen Songs, Auftritten und Lernschritten. Rückblickend wirkt es schnell, in Echtzeit war es ein langer Prozess.
Mini-Benchmarks (ohne absolute Versprechen)
- Trend > absolute Zahl: Entwickeln sich Save-Rate und wiederkehrende Hörer:innen im Vergleich zum letzten Release positiv?
- Completion / Skip: Springen viele früh ab? Dann teste unterschiedliche Hooks oder Snippets im Content.
- Traffic-Quellen: Kommt dein Wachstum über Instagram, TikTok, Playlists oder algorithmische Vorschläge? Ein Song darf leise starten. Sichtbarkeit entsteht oft durch Wiederholung, Kontext und Zeit.
Phase 3: Den Release verlängern (statt sofort den nächsten zu planen)
Ein häufiger Fehler:
Nach zwei Wochen wird innerlich schon der nächste Song veröffentlicht, obwohl der aktuelle noch kaum erzählt wurde. Halt noch an deinem Release fest. Und überlege dir lieber Ideen, um deinen Release zu verlängern:
- Behind-the-Scenes zur Enstehung des Songs
- Lyrics-Snippets mit Kontext
- Erstelle Reels/TikToks mit unterschiedlichen Hooks deines Songs
- Gib deinen Follower:innen Kontext: Warum gibt es diesen Song?
Denn ein Song ist kein Post. Er ist Material für viele Geschichten.
Phase 4: Lernen für den nächsten Release
Der vielleicht wichtigste Schritt – und der, den viele überspringen, ist sich den Fortschritt bewusst zu machen. Frag dich ehrlich:
- Was hat gut funktioniert?
- Wo war ich gut vorbereitet – wo nicht?
- Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
- Warum hat etwas funktioniert? Und lässt sich das wiederholen?
Diese Learnings sind Gold wert.
Nicht für Instagram – sondern für deine Entwicklung als Artist. Viele Artists – auch bekannte Namen – haben mehrere Projekte veröffentlicht, bevor einzelne Songs größere Reichweite bekamen. Entwicklung ist selten linear. Entscheidend ist, dass du aus jedem Release lernst.
Phase 5: Erwartungsmanagement (mit dir selbst)
Ein Release fühlt sich oft größer an, als er objektiv ist – weil so viel Herzblut drinsteckt.
Das ist menschlich.
Aber langfristig hilft diese Haltung:
Nicht jeder Release muss explodieren.
Aber jeder Release kann dich weiterbringen.
DIY-Karrieren entstehen selten durch einen einzelnen Song – sondern durch Kontinuität, Lernkurven und Durchhaltevermögen.
14-Tage-Mini-Fahrplan nach deinem Release
Tag 1–3
- Profil & Link in Bio prüfen
- Release-Post anpinnen
- 2–3 Storys mit klarer Handlungsaufforderung
Tag 4–7
- Behind-the-Scenes posten
- Lyrics-Snippet veröffentlichen
- Erste Trends in den Zahlen prüfen
Tag 8–14
- 2–3 neue Hook-Varianten testen
- Traffic-Quellen analysieren
- Learnings notieren
Fazit: Nach dem Release beginnt die eigentliche Arbeit
Der Release-Day ist nicht der Höhepunkt.
Er ist der Startschuss. Wenn du nach dem Release:
- ruhig analysiert
- deinen Song weiter erzählst
- und dir Zeit für Reflexion nimmst
…baust du dir Schritt für Schritt etwas auf, das nachhaltiger ist als jeder kurzfristige Hype.
Wenn du DIY releast, ist Distribution nicht das Ziel – sondern die Basis. Entscheidend ist, was du danach daraus machst: beobachten, verlängern, lernen. Eine einfache Release-Checkliste (Phasen + To-dos) kann dir helfen, aus jedem Release eine Routine zu machen
Bei recordJet verstehen wir Distribution nicht als Endpunkt, sondern als Teil eines größeren Weges. Wichtig ist für dich zu wissen, du bist nicht allein und Durchhalten lohnt sich in jedem Fall.
Merle Stephan Photography
Aleksandr Neplokhov