FLINTA* Music Force Showcase 2026: Recap Reeperbahn Festival
FLINTA* Music Force Showcase 2026: Volles Haus, große Gefühle und vier Artists, die das Schmidtchen abgerissen haben
Eine Schlange, die sich um die Ecke zieht. Einlassstopp. Unser FLINTA* Music Force Abend beim Reeperbahn Festival 2026 hat ziemlich schnell klargemacht: Das hier wird kein gewöhnlicher Mittwochabend.
Aber da gab es natürlich noch viel mehr. Also lasst uns diesen Abend gemeinsam Revue passieren lassen. In all seiner Schönheit, in all seiner Wichtigkeit.
Wir hatten uns einiges vorgenommen für den 16. September. Gemeinsam mit Music Change Germany wollten wir auch 2026 (2025 hatten wir erstmals gemeinsam zusammengearbeitet) wieder zeigen, wie vielfältig FLINTA* Artists klingen können. Wir wollten eine Bühne schaffen, auf der vier Künstlerinnen stehen, die musikalisch kaum unterschiedlicher sein könnten. Und wir wollten noch mehr.
Dieses Mal sollte sich schon vor dem ersten Konzert ein Raum öffnen, in dem es nicht um Streamingzahlen, Releases oder den nächsten Karriereschritt geht, sondern erstmal um Menschen. Um Begegnungen. Austausch. Neue Verbindungen. Und genau dort kam die FLINTA* & Friends Reception ins Spiel, bei der wir in diesem Jahr zum 1. Mal mitmachen durften.
Was wir nicht wussten: wie viele von euch offenbar genau darauf gewartet hatten.
Denn schon kurz nach Beginn der FLINTA* & Friends Reception war klar:
Die Hütte ist voll. Und sie sollte es bleiben.
Lass mal reden: FLINTA* & Friends Reception
Eine Stunde vor dem ersten Konzert öffneten sich die Türen des Schmidtchens am Spielbudenplatz für die FLINTA* & Friends Reception – ein Format, das Music Change Germany gemeinsam mit Keychange, MEWEM, der Bundesstiftung LiveKultur, fæmm, music is her passion und dem FLINTA* Netzwerk gestaltet. Die Idee dahinter war eigentlich ziemlich simpel: Bevor wir gemeinsam Musik feiern, schaffen wir einen Raum, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Kein riesiges Konferenzprogramm. Keine zehn Panels hintereinander. Sondern Begegnung.
Und diese Begegnung wurde angenommen.
Vor dem Schmidtchen bildete sich eine Schlange.
Ein ziemlich schönes Problem.
Und eines, das gleichzeitig zeigt, wie groß der Wunsch nach solchen Räumen innerhalb der Musikbranche ist. Drinnen wurde geredet, kennengelernt, wieder getroffen und vernetzt.

FLINTA* ist nicht einfach ein anderes Wort für „Frauen“
Genau deshalb war uns an diesem Abend auch ein inhaltlicher Moment wichtig.
Nebou sprach über den Begriff FLINTA* selbst – und über eine Beobachtung, die auch wir immer wieder machen: Wo FLINTA* draufsteht, sind in der Wahrnehmung und teilweise auch in der tatsächlichen Besetzung noch erstaunlich häufig vor allem cis Frauen beziehungsweise „Female Artists“ gemeint.
Dabei steht FLINTA* gerade für mehr. Für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen – und damit für unterschiedliche Identitäten, Perspektiven und Erfahrungen.
Ein Begriff allein schafft noch keine Vielfalt. Und Sichtbarkeit bedeutet eben auch, immer wieder zu hinterfragen: Wen meinen wir eigentlich, wenn wir von Sichtbarkeit sprechen? Und wer fehlt möglicherweise trotzdem noch? Ein wichtiger Gedanke, den wir aus der Reception mitnehmen.
Dann war es 21 Uhr.
Zeit, die Bühne sprechen zu lassen.
Charlotte Colace: War da gerade ein internationaler Star eingeflogen?
Den Anfang machte Charlotte Colace.
Und wir sagen es, wie es war: Man hätte glauben können, wir hätten für den Abend mal eben einen internationalen Star ins Schmidtchen eingeflogen. Da stand eine Künstlerin auf der Bühne, die überhaupt nicht darum kämpfen musste, dass man ihr zuhört.
Man tat es einfach. Jeder. Charlotte Colace zog den Raum mit Stimme, Soul und einer unglaublichen Selbstverständlichkeit zu sich. Vor ihr ein rappelvolles Schmidtchen – und trotzdem entstand zeitweise dieses seltene Gefühl, das man bei Konzerten nicht planen kann:
Alle hören hin. Die Menge klebte an ihren Lippen. Kein großes Tamtam nötig. Keine Show um der Show willen. Einfach eine verdammt gute Musikerin und ein Publikum, das das innerhalb weniger Minuten verstanden hatte.
Was für ein Auftakt.

Mine: Bitte noch ein bisschen zusammenrücken!
Falls wir zu diesem Zeitpunkt dachten, dass es nicht voller werden würde, haben wir das ohnehin schon große Momentum (mal wieder) dieser Ausnahmekünstlerin immer noch unterschätzt. Denn als Mine die Bühne betrat, belehrte uns das Schmidtchen eines Besseren.
Spätestens jetzt drohte der Club endgültig aus allen Nähten zu platzen. Draußen weiterhin Einlassstopp, drinnen eine Menge, die keinen Zentimeter freiwillig hergeben wollte. Und dann Mine, die mit einer Freundin und musikalischer Duettpartnerin ELEO auf der Bühne stand.
Es gibt Artists, bei denen man nach wenigen Minuten versteht, warum sie seit Jahren eine solche Faszination auslösen. Mine gehört dazu. Natürlich waren da ihre Songs. Alte, neue, bekannte, geliebte.
Aber weil ein Mine-Konzert offenbar nicht einfach nur ein Mine-Konzert sein kann, hatte sie noch etwas anderes dabei. Ihre „sweeten Instrumente“.
Wer Mine auf Instagram folgt, kennt ihre Reihe rund um besondere, kuriose und manchmal ziemlich wunderbare Instrumente. Im Schmidtchen erzählte sie ihre Geschichten, erklärte, was sie da eigentlich mitgebracht hatte – und spielte sie anschließend natürlich auch. So wurde aus einem Festivalauftritt zwischendurch eine kleine musikalische Entdeckungsreise.
Nahbar, lustig, nerdig und musikalisch absurd gut.
Einzigartig trifft es wahrscheinlich am besten.

lùisa: Und plötzlich sind die 80er wieder da
Dann kam lùisa. Und mit ihr änderte sich die Energie im Raum noch einmal komplett.
Wenn Charlotte uns eingesogen und Mine uns auf musikalische Entdeckungsreise geschickt hatte, dann kam jetzt Bewegung.
Die Power der 80er traf auf cineastischen Indie-Pop, große Popmomente auf eine Künstlerin, die ganz offensichtlich nicht vorhatte, einfach an ihrem Mikrofon stehen zu bleiben.
lùisa war ein Wirbelwind. Auf der Bühne. Im Publikum. Überall.
Eine Popsängerin par excellence, die ihre Musik nicht nur singt, sondern mit dem ganzen Körper erzählt. Und irgendwann während dieses Auftritts entstand dieses Bild, das seitdem hängen geblieben ist: Es fühlte sich an, als würde man einer magischen Hexe beim Erwachen zusehen.
Wild. Kraftvoll. Ein bisschen entrückt. Und gleichzeitig vollkommen da. Ein Auftritt, der noch einmal gezeigt hat, warum wir dieses Line-up genau so wollten: Niemand sollte klingen wie die Person davor.

Miss Marla: Von 244 Bewerbungen mitten ins Schmidtchen
Und dann fehlte noch eine. Eine Künstlerin, von der wir zu Beginn unserer Planungen noch gar nicht wussten, wer sie sein würde.
Den vierten Slot unseres FLINTA* Music Force Showcases hatten wir gemeinsam mit Music Change Germany – als Wildcard ausgeschrieben. 244 Bewerbungen später wurde angehört, diskutiert, noch einmal gehört.
Und am Ende war da: Miss Marla.
Mit ihren aktuellen Releases verbindet sie zeitgenössische Trap-Produktionen mit einer eigenen Ästhetik, markanten Vocals, selbstbewussten Lyrics und einer gehörigen Portion East-Coast-Retro-Attitüde. Und wer dachte, unsere Wildcard-Gewinnerin würde an diesem Abend vorsichtig die Bühne betreten und sich erstmal vorstellen müssen, hatte ihre Rechnung ohne Miss Marla gemacht.
Die Fanbase? Stabil. Die Energie? Ebenso.
Miss Marla nahm sich den letzten Slot und machte ihn zu ihrem. Trap, Club-Sound, Hooks, Attitüde – und vor ihr Menschen, die ziemlich genau wussten, weshalb sie da waren.
Für uns war das auch ein besonderer Moment. Denn eine Wildcard auszuschreiben ist das eine. Dann aber dabei zuzusehen, wie die Gewinnerin in einem renommierten Club, dem Schmidtchen, beim Reeperbahn Festival steht und das Ding einfach abräumt, ist noch einmal etwas anderes.
Wir waren glücklich. So einfach ist das manchmal.

Vier Artists – und keine Schublade groß genug
Charlotte Colace. Mine. lùisa. Miss Marla.
Soul mit Groove. Deutschpop mit Tiefe. Cineastischer Indie-Pop. Rap zwischen Trap und East-Coast-Einflüssen.
Vier Artists, die auf dem Papier vielleicht nicht das offensichtlichste gemeinsame Line-up ergeben. Und genau deshalb ergeben sie eines. Denn FLINTA* ist kein Genre. Es gibt keinen FLINTA*-Sound.
Wir wollten zeigen, wie unterschiedlich Musik, Kunst, Persönlichkeit und Perspektiven sein können.
An diesem Abend konnte man es hören. Und auch sehen.
Diese Schlange vergessen wir so schnell nicht
Irgendwann war auch dieser Abend vorbei.
Nach einer vollen Reception. Nach einem wichtigen Gespräch über den Begriff, unter dem wir uns überhaupt versammelt hatten. Nach vier Konzerten. Nach alten und neuen Songs, “Sweeten Instrumente”, 80er-Power, Trap-Beats, Begegnungen, Gesprächen und sehr vielen Menschen im und vor dem Schmidtchen.
Was bleibt?
Natürlich die Auftritte. Natürlich alle Menschen, die diesen Abend möglich gemacht haben.
Aber vielleicht auch dieses eine Bild:
Eine Schlange vor dem Schmidtchen, die sich um die Ecke zieht. Über Stunden immer wieder Einlassstopp. Menschen, die rein wollen. Menschen, die bleiben wollen. Menschen, die gemeinsam Musik erleben und Räume wie diese offensichtlich brauchen.
Das FLINTA* Music Force Showcase 2026 und die FLINTA* & Friends Reception waren für uns ein voller Erfolg.
Nicht nur, weil es voll war. Sondern weil dieser Abend gezeigt hat, was passieren kann, wenn Sichtbarkeit, Austausch und Musik nicht nebeneinander stattfinden, sondern zusammen. Und auch die Musikwoche fand unser Thema so spannend, dass sie groß über uns berichtet haben.
Danke an alle Artists, Partner:innen, Initiativen, Freund:innen und natürlich an euch, die ihr mit uns das Schmidtchen zum Platzen gebracht habt. Danke ByteFM, dass sie uns präsentiert haben und danke an unsere Unterstützer von superlifepromo und Pro Musik.


Bastian Bochinski
Keychange
bisschentill