Allgemein | von Angela Peltner | 11. Mai 2020

Das ziemlich perfekte Electronic Press Kit (EPK)

Electronic Press Kit (EPK) erstellen: Anleitung, Vorlage und Tipps für Musiker:innen


Du hast einen neuen Song veröffentlicht, möchtest endlich auf einem Festival spielen oder mit deiner Musik in einem Magazin landen? Dann brauchst du nicht nur gute Musik, sondern auch eine Möglichkeit, dich professionell zu präsentieren. Genau hier kommt dein Electronic Press Kit (EPK) ins Spiel. Ein EPK ist deine digitale Pressemappe. Es zeigt auf einen Blick, wer du bist, wie deine Musik klingt und warum es sich lohnt, dich näher kennenzulernen. Egal ob du dich bei Veranstalter:innen bewirbst, Musikblogs kontaktierst oder deinen nächsten Release promoten möchtest: Mit einem guten EPK machst du es anderen leicht, sich für deine Musik zu interessieren.

Und keine Sorge: Dafür brauchst du weder eine Agentur noch ein riesiges Budget. Wir zeigen dir, wie du ein Electronic Press Kit erstellst, welche Inhalte hineingehören und welche Fehler du vermeiden solltest. Eine praktische EPK-Vorlage gibt es gleich dazu.

Was ist ein Electronic Press Kit (EPK)?

EPK steht für Electronic Press Kit und bezeichnet eine digitale Pressemappe für Musiker:innen, Bands, DJs und andere Musikprojekte. Darin bündelst du alle Informationen und Materialien, die Journalist:innen, Booker:innen, Veranstalter:innen oder potenzielle Geschäftspartner:innen über dich benötigen.

Dazu gehören beispielsweise deine Artist-Bio, Pressefotos, Musik, Videos, aktuelle Releases, Live-Termine und Kontaktdaten.

Der große Vorteil: Statt fünf E-Mails mit unterschiedlichen Anhängen zu verschicken, teilst du einfach einen Link. Die empfangende Person kann sich direkt informieren, deine Musik anhören und bei Bedarf Fotos oder Texte herunterladen.

Ein gutes EPK beantwortet vor allem vier Fragen:

  • Wer bist du und wofür steht deine Musik?

  • Wie klingst du?

  • Warum könnte dein Musikprojekt interessant sein?

  • Wie kann man dich kontaktieren oder buchen?

Dabei ist ein EPK nicht nur etwas für etablierte Artists. Gerade wenn du am Anfang deiner Musikkarriere stehst, kann eine übersichtliche Pressemappe helfen, professionell aufzutreten.

Warum brauchen Musiker:innen ein EPK?

Stell dir vor, du möchtest auf einem Festival auftreten. Du schreibst dem Booking-Team eine nette E-Mail, erzählst von deiner Musik und hoffst auf eine Antwort.

Das Problem: Die Veranstalter:innen kennen dich möglicherweise noch nicht. Sie müssen erst herausfinden, wie du klingst, ob du live auftrittst, welche Erfahrungen du mitbringst und wie sie dich erreichen können.

Mit einem EPK lieferst du all diese Informationen direkt mit. Auch bei der Musikpromotion ist das hilfreich. Redaktionen benötigen beispielsweise eine kurze Artist-Bio, Pressefotos und Informationen zum aktuellen Release. Ein gut vorbereitetes EPK erspart ihnen die Suche nach diesen Materialien.

Du kannst dein EPK unter anderem für folgende Zwecke einsetzen:

  • Pressearbeit: Musikblogs, Magazine, Radiosender und Online-Redaktionen informieren.

  • Booking: Dich bei Clubs, Festivals und Konzertveranstalter:innen vorstellen.

  • Release-Promotion: Neue Singles, EPs oder Alben präsentieren.

  • Musikbusiness: Labels, Managements und potenzielle Kooperationspartner:innen kontaktieren.

Wichtig ist dabei: Nicht alle interessieren sich für dieselben Informationen. Ein Booking-Team möchte wahrscheinlich zuerst ein Live-Video sehen. Eine Musikredaktion interessiert sich möglicherweise stärker für deinen aktuellen Release und deine Geschichte.

Deshalb sollte dein EPK übersichtlich aufgebaut sein und die wichtigsten Informationen schnell zugänglich machen.

EPK erstellen: Diese 8 Inhalte gehören in deine digitale Pressemappe

1. Artist-Bio: Erzähle deine Geschichte

Deine Artist-Bio ist das Herzstück deines EPKs. Sie beschreibt, wer du bist, welche Musik du machst und was dich als Artist besonders macht. Dabei geht es nicht darum, deinen kompletten Lebenslauf aufzuschreiben. Viel wichtiger ist, dass Leser:innen schnell ein Gefühl für dich und deine Musik bekommen.

Beantworte beispielsweise folgende Fragen:

  • Woher kommst du und welche Musik machst du?

  • Was zeichnet deinen Sound aus?

  • Welche Themen beschäftigen dich musikalisch?

  • Welche Veröffentlichungen oder Erfolge sind besonders relevant?

  • Was steht als Nächstes an?

Vermeide allgemeine Aussagen wie „ein einzigartiger Sound, der Genregrenzen sprengt“. Solche Formulierungen klingen zwar beeindruckend, sagen aber wenig aus. Beschreibe lieber konkret, was deine Musik besonders macht.

Unser Tipp: Erstelle zwei Versionen deiner Artist-Bio. Eine Kurzbiografie mit etwa 50 bis 100 Wörtern für schnelle Vorstellungen und eine längere Version mit etwa 200 bis 300 Wörtern für Presseanfragen und ausführlichere Porträts.

Schreibe beide Versionen möglichst in der dritten Person. So können Redaktionen sie leichter als Grundlage für ihre Texte verwenden. Wenn du international arbeitest, lohnt sich zusätzlich eine englische Version.

2. Pressefotos: Zeig, wer du bist

Musik ist nicht nur Klang. Auch deine visuelle Identität gehört zu deinem Artist-Profil.

Deshalb sollten professionelle Pressefotos in deinem EPK nicht fehlen. Sie helfen Redaktionen, Veranstalter:innen und anderen Partner:innen dabei, dich und dein Musikprojekt zu präsentieren.

Idealerweise stellst du eine kleine Auswahl bereit:

  • Ein aussagekräftiges Porträtfoto

  • Ein Bild im Querformat

  • Ein Bild im Hochformat

  • Optional ein gutes Live-Foto

Achte darauf, dass die Bilder hochauflösend und für eine Veröffentlichung geeignet sind. Für Druckmedien können andere Anforderungen gelten als für Online-Artikel.

Und ganz wichtig: Gib immer den Namen der fotografierenden Person an und kläre vorab, für welche Zwecke die Bilder verwendet werden dürfen. Ein Foto in deinem EPK bedeutet nicht automatisch, dass jede beliebige Nutzung erlaubt ist.

3. Musik: Deine besten Songs gehören nach vorne

Jetzt wird es spannend. Schließlich möchtest du vor allem mit deiner Musik überzeugen. Wähle dafür zwei bis vier Songs aus, die deinen Sound besonders gut repräsentieren. Das müssen nicht zwangsläufig deine erfolgreichsten Veröffentlichungen sein.

Vielleicht ist dein meistgestreamter Song eine ruhige Ballade, während deine aktuelle Musik deutlich elektronischer klingt. Dann kann es sinnvoll sein, einen neueren Track an die erste Stelle zu setzen. Entscheidend ist, dass die Auswahl zu deinem aktuellen Musikprojekt passt.

Verlinke deine Songs beispielsweise über Spotify, Apple Music, Bandcamp oder SoundCloud. Bei unveröffentlichten Tracks kannst du einen privaten Streaming-Link verwenden, sofern die empfangende Person darauf zugreifen kann.

Wichtig: Verzichte auf große Audiodateien im E-Mail-Anhang. Ein direkt abspielbarer Link ist für die erste Kontaktaufnahme meist praktischer. Und bitte schneide nicht einfach das Intro eines veröffentlichten Songs ab, nur damit die Hook schneller kommt. Wähle lieber einen Track, der von Anfang an überzeugt, oder erstelle bei Bedarf einen ausdrücklich gekennzeichneten Ausschnitt.

4. Musikvideos und Live-Aufnahmen

Du hast ein Musikvideo produziert? Wunderbar! Dann gehört es in dein EPK.

Noch interessanter können für Veranstalter:innen allerdings gute Live-Aufnahmen sein. Denn sie zeigen, wie du auf der Bühne wirkst und was das Publikum bei einem Konzert erwarten kann. Dafür brauchst du nicht unbedingt eine aufwendige Konzertproduktion. Auch eine gut aufgenommene Live-Session kann überzeugen.

Achte vor allem auf verständlichen Ton und eine Aufnahme, die deine Performance authentisch zeigt. Ein bis zwei aussagekräftige Videos reichen für den Anfang völlig aus.

5. Releases, Erfolge und Presseberichte

Du hast bereits mehrere Songs oder Alben veröffentlicht? Dann zeige eine Auswahl deiner wichtigsten Releases. Dazu gehören beispielsweise dein aktuelles Album, eine erfolgreiche Single oder eine besondere Zusammenarbeit.

Auch relevante Erfolge können dein EPK aufwerten:

  • Auftritte bei bekannten Festivals

  • Support-Shows für andere Artists

  • Radio-Airplay

  • Erwähnungen in Musikmagazinen

  • Relevante Playlist-Platzierungen

  • Auszeichnungen oder besondere Kooperationen

Dabei gilt: Qualität vor Quantität.

Du musst nicht jede Veröffentlichung, jede Playlist und jeden Auftritt aufzählen. Konzentriere dich auf die Informationen, die für deine aktuelle Bewerbung oder Pressearbeit wirklich relevant sind. Wenn du Streamingzahlen oder Social-Media-Reichweiten nennst, sollten diese aktuell und nachvollziehbar sein.

Noch keine großen Erfolge vorzuweisen? Kein Problem! Ein gutes EPK funktioniert auch ohne beeindruckende Zahlen. Deine Musik, deine Geschichte und ein professioneller Auftritt sind eine gute Grundlage.

6. Live-Termine und Booking-Informationen

Wenn du Konzerte spielst oder spielen möchtest, sollten Veranstalter:innen schnell erkennen können, was du live anbietest.

Dazu gehören deine kommenden Konzerttermine, ausgewählte bisherige Auftritte und gegebenenfalls Informationen zu deiner Live-Besetzung.

Spielst du allein mit Gitarre? Bist du Teil einer fünfköpfigen Band? Oder trittst du als DJ mit einem bestimmten Setup auf?

Diese Informationen helfen bei der Einschätzung, ob dein Projekt zum jeweiligen Veranstaltungsformat passt.

Für konkrete Booking-Anfragen kannst du außerdem einen Technical Rider und einen Stageplot bereitstellen. Darin beschreibst du beispielsweise, welche technische Ausstattung du benötigst und wie deine Instrumente auf der Bühne angeordnet sind. Beide Dokumente müssen nicht zwingend prominent auf der Startseite deines EPKs stehen. Ein Download-Link im Booking-Bereich reicht häufig aus.

7. Social Media und Streaming-Profile

Instagram, TikTok, YouTube, Spotify oder Bandcamp: Deine Online-Profile können zusätzliche Einblicke in dein Musikprojekt geben.

Aber bitte verlinke nicht einfach alles, was du irgendwann einmal angelegt hast. Konzentriere dich auf die Kanäle, die du tatsächlich nutzt und die für dein Projekt relevant sind.

Ein aktives Instagram-Profil mit einer kleinen, engagierten Community kann aussagekräftiger sein als fünf verwaiste Social-Media-Accounts. Prüfe regelmäßig, ob deine Links funktionieren und die Informationen auf deinen Profilen aktuell sind.

8. Kontakt: Mach es anderen leicht, dich zu erreichen

Dieser Punkt klingt selbstverständlich, wird aber gerne vergessen. Was bringt dir das schönste EPK, wenn niemand weiß, wie man dich kontaktieren kann? Gib deshalb eine gut sichtbare E-Mail-Adresse an.

Wenn du bereits mit einem Management, einer Booking-Agentur oder einer PR-Agentur zusammenarbeitest, kannst du die entsprechenden Kontakte getrennt aufführen.

Organisierst du alles selbst? Auch gut. Eine professionelle Kontaktadresse reicht vollkommen aus. Eine private Wohnanschrift oder Telefonnummer musst du nicht allein deshalb öffentlich machen, weil du ein EPK erstellst.

EPK-Vorlage: So könnte deine digitale Pressemappe aussehen

Du weißt jetzt, welche Inhalte wichtig sind. Aber wie bringst du sie in eine sinnvolle Reihenfolge? Hier ist eine einfache Vorlage, die du für dein eigenes Musikprojekt übernehmen kannst.

EPK kostenlos erstellen: Welche Tools eignen sich?

Du brauchst keine teure Software, um ein professionelles Electronic Press Kit zu erstellen. Entscheidend ist, dass deine Informationen übersichtlich, aktuell und leicht zugänglich sind.

Canva: EPK als PDF gestalten

Mit Canva kannst du ein optisch ansprechendes EPK erstellen. Die Plattform bietet verschiedene Layouts und Designvorlagen, die du an deine Artist-Identität anpassen kannst. Das eignet sich besonders, wenn du schnell eine digitale Pressemappe als PDF gestalten möchtest.

Der Nachteil: Änderungen musst du im Dokument vornehmen und gegebenenfalls eine neue Version bereitstellen. Musik und Videos werden normalerweise über Links eingebunden.

Google Drive oder Dropbox: Einfach und praktisch

Du möchtest möglichst unkompliziert starten? Dann kannst du deine Materialien in einem übersichtlichen Ordner bei Google Drive oder Dropbox bereitstellen.

Lege beispielsweise separate Unterordner für Pressefotos, Biografien und Artwork an. Ergänze ein Dokument mit deinen wichtigsten Links und Kontaktdaten.

Achte darauf, dass die Freigabeeinstellungen stimmen und Empfänger:innen nicht erst eine Zugriffsanfrage stellen müssen.

Eigene Website: Die langfristige Lösung

Wenn du bereits eine Artist-Website hast, kannst du dort eine eigene EPK- oder Presseseite einrichten. Das hat mehrere Vorteile: Du kannst Musik und Videos direkt einbinden, deine Inhalte jederzeit aktualisieren und einen dauerhaft gültigen Link verschicken.

Außerdem lässt sich die Seite an dein visuelles Erscheinungsbild anpassen.

Spezielle EPK-Tools

Es gibt auch Anbieter wie Bandzoogle oder ReelCrafter, die Funktionen für digitale Press Kits anbieten. Solche Lösungen können praktisch sein, wenn du regelmäßig mit Booker:innen, Medien oder anderen Branchenkontakten zusammenarbeitest.

Für den Einstieg brauchst du sie aber nicht zwingend.

Unser Tipp: Ein übersichtliches Online-EPK mit einem einzigen Link ist meistens die praktischste Lösung. Ein PDF kannst du zusätzlich anbieten.

EPK verschicken: So kontaktierst du Presse und Veranstalter:innen

Dein EPK ist fertig? Dann möchtest du es natürlich auch einsetzen.

Doch bevor du wahllos E-Mails an Musikblogs und Festivals verschickst, solltest du überlegen, wen du eigentlich erreichen möchtest.

Recherchiere passende Kontakte und informiere dich darüber, welche Musikgenres und Themen die jeweiligen Redaktionen oder Veranstalter:innen interessieren. Eine persönliche Nachricht mit einem konkreten Bezug ist meist sinnvoller als eine anonyme Massenmail.

Die 5 häufigsten Fehler beim Electronic Press Kit

Auch ein aufwendig gestaltetes EPK kann seine Wirkung verfehlen, wenn wichtige Informationen fehlen oder die Nutzung unnötig kompliziert ist.

1. Zu viele Informationen: Niemand muss sich durch deine komplette Diskografie oder eine zehnseitige Biografie arbeiten. Wähle die wichtigsten Inhalte aus.

2. Veraltete Angaben: Ein EPK mit Konzertterminen von vor drei Jahren wirkt wenig gepflegt. Aktualisiere es spätestens bei neuen Releases und wichtigen Veränderungen.

3. Schlechte oder fehlende Pressefotos: Unscharfe Bilder, fehlende Fotocredits oder unklare Nutzungsrechte erschweren die Arbeit von Redaktionen.

4. Kaputte Links und komplizierte Downloads: Teste dein EPK vor dem Versand auf dem Smartphone und in einem privaten Browserfenster. Funktioniert alles ohne zusätzliche Anmeldung?

5. Kein klarer Kontakt: Mach sofort erkennbar, an wen sich Presse und Veranstalter:innen wenden können.

EPK-Checkliste: Ist deine Pressemappe vollständig?

Deine EPK-Checkliste. Einfach kopieren und los gehts.

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Fazit: Ein gutes EPK macht deine Musik sichtbar

Ein Electronic Press Kit muss weder kompliziert noch teuer sein. Es sollte vor allem eines schaffen: anderen Menschen ermöglichen, dein Musikprojekt schnell kennenzulernen. Dafür brauchst du keine beeindruckenden Streamingzahlen, keine riesige Fanbase und auch keine aufwendige Website.

Eine überzeugende Artist-Bio, gute Musik, aussagekräftige Bilder und klare Kontaktdaten sind ein guter Anfang.

Je einfacher du es Journalist:innen, Booker:innen und anderen Branchenkontakten machst, deine Musik zu entdecken, desto besser.

Und vergiss bei aller Professionalität nicht das Wichtigste: Dein EPK soll nicht aussehen wie das von allen anderen. Es soll zu dir und deiner Musik passen.