Qobuz im Gespräch: Fair Pay, Hi-Res und kuratierte Sichtbarkeit für Indie-Artists
Qobuz: High-Res-Streaming, Transparenz und ein klares Signal für Fairness
Streaming ist nicht gleich Streaming. Zwischen algorithmischen Vorschlagsmaschinen, Masse und Hintergrundbeschallung wächst bei vielen Artists der Wunsch nach Plattformen, die Musik wieder als Kunst behandeln – und sie auch entsprechend vergüten. Qobuz positioniert sich seit Jahren als Hi-Res-Streamingdienst mit redaktioneller Kuratierung und einer zahlenden Community. recordJet beliefert Qobuz seit Anfang 2024 mit Releases und zählt damit schon längst zu Distributionspartnern der Plattform. Nun hat die alternative Streamingplattform eine Dependance in Berlin eröffnet – Grund genug und längst überfällig, diesen besonderen Streamingdienst einmal genauer für dich vorzustellen.
Hi-Res statt Kompromiss
Qobuz stammt ursprünglich aus Frankreich und wurde bereits 2007 gegründet. Qobuz positioniert sich seit Jahren als Streaming-Plattform für anspruchsvolle Hörer:innen. Das Kernelement: Hi-Res Audio.
Über 100 Millionen Titel stehen in verlustfreier Qualität zur Verfügung – teilweise in bis zu 24-Bit/192 kHz. Für Musikliebhaber:innen bedeutet das: mehr Details, mehr Dynamik, mehr Tiefe.
Das Abo kostet 14,99 Euro im Monat oder 149,99 Euro im Jahr. Anders als viele Wettbewerber bietet Qobuz kein kostenloses Freemium-Modell an. Zusätzlich zum Streaming gibt es einen Download-Shop, in dem Titel – ebenfalls teilweise in High-Res – gekauft werden können. Qobuz versteht Musik nicht als Hintergrundrauschen, sondern als bewusstes Erlebnis.
Wir haben mit Lena und Mareile von Qobuz über Auszahlungsmodelle, Sichtbarkeit für Independent-Artists, die Rolle von Metadaten und die Bedeutung des deutschen Marktes gesprochen – und darüber, warum Qobuz bewusst als Alternative zum „Fast-Food-Streaming“ verstanden werden will und kann.

Ihr gebt an, 0,01873 US-Dollar pro Stream (Stand März 2025) auszuschütten. Wie genau berechnet sich dieser Wert – und wie nachhaltig ist das wirtschaftlich?
Lena von Qobuz: Einer der Gründe, warum unser Ansatz den Künstler:innen zugute kommt, ist, dass wir keine werbefinanzierte kostenlose Version anbieten. So fließen die Einnahmen unserer Abonnements direkt in den Pool für die Auszahlungen. Da unsere Nutzer:innen bereit sind, für Hi-Res-Qualität einen fairen Preis zu zahlen, ist der „Average Revenue Per User“ (ARPU) bei uns 5-mal so hoch wie der Marktdurchschnitt. Nachhaltig ist das auch deshalb, weil wir nicht auf Masse um jeden Preis setzen, sondern auf das bewusste Hören unserer Community, die den Wert der Musik schätzt.
Viele Artists fragen sich: Was kommt am Ende wirklich bei mir an? Wie transparent sind die Abrechnungswege für Indie-Artists?
Mareile von Qobuz: Wir bezahlen die Rechteinhabenden (Labels/Vertriebe). Wie viel beim individuellen Indie-Artist landet, hängt natürlich von dessen Vertrag mit seinem Vertrieb ab. Aber: Da unser Pro-Stream-Wert etwa viermal höher ist als der Marktdurchschnitt, ist die Basis für eine faire Entlohnung bei uns schlichtweg solider. Wir legen alle Daten offen an die Vertriebe weiter.
Wie funktioniert Discovery bei Qobuz? Gibt es redaktionelle Playlists oder kuratierte Features, in die auch unabhängige Artists kommen können?
Mareile von Qobuz: Absolut, dies ist das Herzstück von Qobuz und vergleichbar mit einem digitalen Plattenladen. Algorithmische Empfehlungen finden bei Qobuz nur in untergeordneter Form statt (etwa in Radio- und Autoplay-Funktionen) und die von Hand ausgewählten Empfehlungen unserer hauseigenen Musikredaktion stehen bei Qobuz seit jeher im Fokus, wobei wir besonders Wert auf Alben-Releases legen. Wir haben eine Qobuz-eigene Auszeichnung für aufstrebende Talente, unser „Qobuzissime“, mit der wir gezielt Newcomer:innen vorstellen. Generell schauen wir bei Qobuz über den Mainstream hinaus auf Genres uns Artists, die man auf anderen Plattformen eher selten auf der Startseite findet.
Ist es für Indie-Artists auf Qobuz leichter, sichtbar zu werden als auf den großen Plattformen – oder ist das ein Mythos?
Lena von Qobuz: Auf großen Plattformen kämpft man gegen den Mainstream und algorithmische Empfehlungen an. Bei Qobuz erreicht man ein Publikum, das aktiv nach Alben sucht und auf die Auswahl unserer Redaktion vertraut. Wer als Indie-Artist Musik bei Qobuz hat, wird eher wahrgenommen, weil unsere Nutzer:innen bewusst hören, sich für die Geschichten rund um ein Werk interessieren, die man in Form von Albenrezensionen, Interviews oder anderem in unserem Magazin findet, und nicht nur Hintergrundbeschallung suchen.
Qobuz setzt stark auf Hi-Res-Audio. Profitieren Artists konkret davon?
Lena von Qobuz: Ja – künstlerisch und ökonomisch. Künstler:innen investieren Monate in den perfekten Sound im Studio. Wir waren die Ersten, die diesen Sound verlustfrei zum Streaming bereitstellten. Alle Angebote bieten Zugang zu unkomprimierter (Lossless) und hochauflösender (Hi-Res) Audioqualität sowie zu einer Vielzahl exklusiver redaktioneller Inhalte. Dies rechtfertigt eine Premium-Positionierung, die eine gerechtere Vergütung gewährleistet. Zudem tendieren echte Hi-Res-Fans eher zum Kauf eines Albums (in unserem Download-Shop) – und Verkäufe sind für Indie-Artists nach wie vor eine der lukrativsten Einnahmequellen.
Würdet ihr sagen: Wer auf Qobuz stattfindet, sollte sein Mastering anders denken?
Mareile von Qobuz: Man sollte Mastering wieder so denken, wie es gedacht war: für Dynamik und Klangfarben. Da wir in Hi-Res streamen, werden Kompressionsfehler sofort hörbar. Wir ermutigen Artists, auf Qualität bei der Aufnahme zu setzen.
Gibt es bestimmte Genres oder Produktionsweisen, die auf Qobuz besonders gut funktionieren?
Lena von Qobuz: Historisch gesehen – und weil für diese Zielgruppe die Klangqualität schon immer sehr wichtig war – haben wir im Vergleich zu anderen Plattformen relativ viele Hörer:innen von Jazz und Klassik. Unser meistgehörtes Genre ist heute jedoch Rock, und wir wachsen massiv in den Bereichen Indie, Electronic und Urban Music. Eigentlich funktioniert alles, was gut produziert ist und eine gewisse Tiefe besitzt.
Qobuz hat eine Dependance in Berlin eröffnet. Warum gerade jetzt – und warum Berlin?
Lena von Qobuz: Berlin ist das kreative Herz Europas und ein Hub für Independent-Strukturen. Wir wollen nah an den Künstler:innen, Labels und Vertrieben sein. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, weil der Markt sich sättigt und die Leute nach Alternativen zum „Fast-Food-Streaming“ suchen.
Welche Rolle spielt der deutsche Markt strategisch für euch?
Mareile von Qobuz: Deutschland ist für uns einer der wichtigsten Märkte weltweit, der drittgrößte – gemessen am Umsatz. Die hiesige Hörkultur ist sehr qualitätsbewusst. Die deutschen Nutzer:innen kaufen noch Musik, schätzen Hardware und legen Wert auf Datenschutz und bewussten Konsum mit Haltung – das passt perfekt zu Qobuz.
Plant ihr stärkere Kooperationen mit lokalen Vertrieben, Labels oder Indie-Strukturen?
Mareile von Qobuz: Wir haben immer schon eng mit hiesigen Labels und Vertrieben in Form von redaktionellen oder kommerziellen Kampagnen zusammengearbeitet und möchten dies auch fortführen. Unser Ansatz ist es, nicht nur eine App zu sein, sondern ein Partner für das lokale Netzwerk – von einer Download-Kampagne bis zum exklusiven Live-Event. Seit Kurzem sind wir zudem Sponsor des VUT und freuen uns auf den direkten Austausch mit den Mitglieder:innen, um gemeinsam faire Bedingungen für Kunstschaffende zu gestalten.
Seht ihr Qobuz als Gegenmodell zu Spotify & Co. – oder eher als Ergänzung?
Lena von Qobuz: Wir sehen uns als die bewusste Wahl für Kunst und Ethik. Wer Musik als Kunstform liebt und Künstler:innen wertschätzt, kommt zu uns. Wir sind der „Plattenladen von Nebenan“ unter den Streaming-Diensten.
Warum sollte ein DIY-Artist Qobuz nicht nur als Plattform, sondern als Chance betrachten?
Mareile und Lena von Qobuz: Zunächst, weil wir auf Transparenz und faire Vergütung setzen und man auch als unbekannter Indie-Artist bei Qobuz die Möglichkeit hat, im Rampenlicht zu stehen. Und auch, weil wir keine KI-generierte Musik pushen. Ein DIY-Artist ist bei uns ein Mensch mit einer Vision, keine Datenmenge. Auf Qobuz ist man nicht Teil eines anonymen Algorithmus, sondern Teil einer kuratierten kulturellen Auswahl. Wir bieten die Chance, Fans zu finden, die Musik nicht nur dahin rauschen lassen, sondern wirklich hören.
Fazit: Klang, Fairness und Haltung
Qobuz ist mehr als ein weiterer Streaming-Dienst. Die Plattform steht für:
- außergewöhnliche Klangqualität, die Musik in bestmöglicher Form erlebbar macht,
- faire Vergütung für Musikschaffende durch transparente Modelle,
- menschliche Kuratierung und redaktionelle Tiefe, die über algorithmische Normen hinausgeht,
- und nicht zuletzt für eine Musikkultur, die Haltung zeigt und nicht nur Charts zählt.
Gerade in einer Zeit, in der viele Streaming-Dienste auf Masse und automatisierte Vorschläge setzen, wirkt Qobuz wie eine Rückkehr zu einem bewussteren, qualitativeren Musikverständnis – und das nicht nur für Genießer:innen, sondern auch für die Künstler:innen selbst. Für DIY-Artists kann das vor allem eines bedeuten: eine Plattform, auf der Musik wieder mehr Raum bekommt – und weniger untergeht.
Wir danken Lena und Mareile von Qobuz für das Gespräch!
Steckbrief:
Mareile Heineke, Regional Manager GSA: Als DACH-Verantwortliche bei Qobuz steuert Mareile Heineke das strategische Wachstum in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch gezielte Partnerschaften mit Labels, Medien und Audiomarken. Dabei setzt sie sich maßgeblich für die Positionierung von Qobuz als faire Plattform ein, die eine gerechte Vergütung für Kunstschaffende mit höchster Klangqualität vereint.

Lena Germann, Senior Editorial & Label Relations Manager GSA:
Seit 2021 verantwortet Lena bei Qobuz die Redaktion und Musikpartnerschaften für die deutschsprachigen Märkte. In ihren Händen liegen die strategische Kuration der Musikneuheiten, die Gestaltung der Playlists sowie die redaktionelle Leitung des Magazins. Dabei schlägt sie die Brücke zwischen aufstrebenden Newcomer:innen und zeitlosen Klassikern, um den Menschen Musikstreaming auf eine neue Weise näherzubringen.

Shannon Kone
Alexander Suhorucov
canva