Unser Artist of the Month im Monat Mai ist: ENGIN
Zwischen Mannheim, Istanbul und Psychedelica – warum ENGIN eine der spannendsten Indiebands Deutschlands sind
Was ist eigentlich deutscher Indiepop im Jahr 2026?
Vielleicht ist er längst mehr als Gitarren, Melancholie und Großstadtromantik. Vielleicht ist er global, vielsprachig, roh – und vor allem: offen.
Eine Band, die genau das verkörpert, ist ENGIN aus Mannheim, ist unser Arist of the Month im Monat Mai. Ihr Sound verbindet Indiepop mit Anadolu Rock, Psychedelica und Britpop – und schafft dabei etwas, das sich kaum in Genregrenzen pressen lässt.
Wer ist ENGIN? Eine Band zwischen Freundschaft und Identitätssuche
ENGIN besteht aus Engin Devekiran (Gesang, Gitarre), Jonas Stiegler (Drums) und David Knevels (Bass) – drei Musiker, deren Geschichte tief in Freundschaft verwurzelt ist.
Engin und Jonas kennen sich seit der Schulzeit, haben schon früh gemeinsam Musik gemacht. Während Jonas später Jazzschlagzeug studierte, schlug Engin zunächst einen anderen Weg ein – Psychologie. Doch die Musik ließ ihn nie los.
Ein entscheidender Moment: ein Support-Auftritt für Robert Francis, bei dem Engin eigene Songs spielte. Danach war klar: Ein Leben ohne Musik ist keine Option.
Mit dem Popstudium in Mannheim – und der Begegnung mit David – wurde aus einem Soloprojekt schließlich eine Band. Und aus einer Band eine gemeinsame Vision.
Der Sound von ENGIN: Indiepop trifft Anadolu Rock
Was ENGIN so besonders macht, ist ihr musikalischer Ansatz:
Sie denken deutschen Indiepop neu – und erweitern ihn um kulturelle Einflüsse, die lange unterrepräsentiert waren.
Während der Pandemie begann Engin, sich intensiv mit türkischer Musik auseinanderzusetzen. Besonders der psychedelische Anadolu Rock der 70er-Jahre wurde zur Inspiration – ein Stil, der heute von Acts wie Altin Gün oder Gaye Su Akyol neu interpretiert wird.
Für ENGIN ist das keine stilistische Spielerei, sondern Teil einer persönlichen Reise. Wie verbindet man unterschiedliche kulturelle Identitäten? Wie klingt Musik, die nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch ist?
Die Antwort liefern sie selbst – mit einem Sound, der gleichzeitig roh, tanzbar und emotional ist.
Von „Merhaba Montag“ bis „Nacht“: Der musikalische Weg
Die ersten Schritte machte die Band mit der EP Merhaba Montag (2021), gefolgt vom Debütalbum Nacht. Produziert wurde „Nacht“ von Robert Stephenson, der u. a. mit Mighty Oaks und Von Wegen Lisbeth gearbeitet hat. Der Sound des Albums: Live aufgenommen, ungeschliffen, direkt. Keine Perfektion – sondern Haltung.
Viral mit Bedeutung: Wie „Gurbet“ zur Hymne wurde
Ein Wendepunkt in der Bandgeschichte kam fast zufällig. Im Rahmen eines Social-Media-Projekts veröffentlichte ENGIN wöchentlich türkische Klassiker mit deutscher Übersetzung. Einer dieser Songs war Gurbet von Özdemir Erdoğan.
Dann kam das verheerende Erdbeben in der Türkei und Syrien. ENGINs Version von „Gurbet“ – ein Song über Sehnsucht, Migration und die Angst um die Heimat – traf plötzlich einen Nerv. Das Video ging viral, besonders in der Türkei, und wurde für viele Menschen zum emotionalen Soundtrack dieser Zeit.
Ein Moment, der zeigte: Musik kann verbinden – über Länder, Sprachen und Krisen hinweg.
Zwischen den Welten: Erfolg in Deutschland und der Türkei
Was danach folgte, war außergewöhnlich:
- eine rapide wachsende internationale Fanbase
- ausverkaufte Clubshows in der Türkei
- erfolgreiche Touren in Deutschland
- Support-Shows für Acts wie Von Wegen Lisbeth
ENGIN beweisen damit, dass Indie auch abseits des Mainstreams funktioniert – wenn er authentisch ist.
Ihr Publikum sucht nicht nach Perfektion, sondern nach Nähe: Schweiß, Energie, echte Live-Momente.
„Mesafeler“: Ein musikalisches Forschungsprojekt
Mit der EP Mesafeler (zu Deutsch: „Entfernungen“) ging die Band noch einen Schritt weiter.
Das Coverprojekt wurde zu einer Art Experimentierfeld:
- neue Klangwelten
- neue Sprachen
- neue Perspektiven auf die eigene Musik
Oder, wie die Band selbst sagt: ein Weg, ihre eigene musikalische Sprache zu entwickeln.
Die Zukunft von ENGIN: Mehr Sprachen, mehr Mut, mehr Vielfalt
Der nächste Schritt ist bereits in Bewegung: neue Musik, neue Einflüsse – und erstmals auch eigene Songs auf Türkisch. Ein Beispiel dafür ist „Kırlangıçlar“ („Schwalben“), das zeigt, wie sehr sich ENGIN künstlerisch weiterentwickelt haben. Ihr Anspruch bleibt klar: Deutschen Indiepop internationaler machen. Grenzen auflösen. Neue Räume schaffen. Mit ihrem Hit „Sag mir Almanya„, beweisen sie auch inhaltlich einmal mehr, wie wichtig ihre Texte, in Zeiten der Auflösung der alten Zeit und der längst besiegelten Lebensrealität ist. Eine bunte Mischung Mensch im schneeweißen deutschen Wald. Eine Hymne an das neue Deutschland und ein Abgesang an die alte Zeit.
Sag mir Almanya.
Sag weißt du noch wo lang ja
Frust Wut Angst zwischen Çay und Champagner
Kein Goethe kein Schiller kein Kommissar Rex.
Dafür alte Parolen und billige Gags
Sag mir Almanya
Jürgen und Tanja
Machen dieses Jahr kein All-Inclusive Alanya
Ist das noch Krise oder ist das okay?
Sind die Austern noch frisch an der Bar im KaDeWe? ENGIN, Sag mir Almanya.
Fazit: Warum ENGIN die Zukunft des deutschen Indiepop sind und unsere AotM.
ENGIN stehen für eine neue Generation von Künstler:innen, die Musik nicht mehr in Schubladen denken.
Sie verbinden kulturelle Identität, musikalische Vielfalt, DIY-Ethos und echte Emotion.
Und genau darin liegt ihre Stärke. Während andere noch versuchen, Genres zu definieren, leben ENGIN längst das, was deutsche Musik sein kann: vielfältig, mutig und offen für die Welt.
Mehr von ENGIN auf Instagram, YouTube, TikTok und Spotity
Einmal im Monat präsentiert recordJet den Artist of the Month. Gewählt von der recordJet-Crew, wird ein recordJet-Artist prämiert, der uns besonders gut gefällt. Schaut doch mal auf unserer AotM-Playlist vorbei – dort sind alle unsere Artists of the Month der vergangenen Jahre bis heute aufgelistet.
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